Koker-Medaille für das Jahr 2007

 

 

Der Vorstand des Vereins Deutscher Kokereifachleute e.V. und die Jury zur Verleihung der Koker-Medaille haben einstimmig beschlossen,

 

 

Herrn Dr. rer. nat Dieter Stalherm

 

mit der Koker-Medaille 2007

 

 

auszuzeichnen.

 

 

Herr Dr. Stalherm wurde am 18. Mai 1942 in Recklinghausen geboren. Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium Petrinum in Recklinghausen studierte er in den Jahren 1961 bis 1968 an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster Physik mit den Nebenfächern Mathematik, Chemie und Metallkunde. Bereits in diesen Jahren legte er durch Ferientätigkeiten im Labor der Firma Carl Still GmbH & Co KG, Recklinghausen, und den Chemischen Werken Hüls einen bedeutenden Grundstein für seinen späteren beruflichen Werdegang. Nach der Diplomarbeit am Institut für Kernphysik über ein Thema aus der Atomphysik schloss er das Studium mit dem akademischen Grad Diplom-Physiker ab.

 

Der Mangel an Lehrern in den naturwissenschaftlichen Fächern ermöglichte Herrn Dr. Stalherm eine nebenberufliche Tätigkeit als Lehrer in Mathematik und in Physik am Gymnasium Petrinum in Recklinghausen ein. Die Verbindung zu seinem alten Gymnasium hätte fast dazu geführt, dass er in den Schuldienst eingetreten wäre. Aber:

 

 

Die enge Verbindung der Universität Münster zur Bergbauforschung GmbH, Essen, bereitete ihm den Weg nach Essen zur Bergbauforschung. In den Jahren 1968 bis 1973 befasste er sich in der Abteilung der Herren Professor Dr. Peters und Privatdozent Dr. Jüntgen mit Arbeiten zur Reaktionskinetik der Entgasung und der Verbrennung kleiner Kohlekörner unter Einsatz von Flugzeitmassenspektrometer und Hochgeschwindigkeitskamera.

 

 

Die Arbeiten zur Kohleverbrennung bei der Bergbauforschung fasste er in einer Dissertation an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen mit dem Thema „Pyrolyse und Verbrennung einzelner Kohlekörner bei hohen Aufheizraten“ zusammen. Er promovierte am Institut für Brennstofftechnik unter der Leitung von Professor Dr. Kröger zum Dr.rer.nat. Korreferent war Professor Dr. Peters.

 

 

Im Jahre 1973 nahm Herr Dr. Stalherm ein Angebot des Steinkohlenbergbauvereins, Essen, an. Er befasste sich auf der Versuchskokerei Emil unter der Leitung der Herren Professor Dr. Beck und Dr. Rohde mit den Forschungsvorhaben „Hochleistungsregenerator“ und „Programmierte Beheizung von Koksöfen“, die gemeinsam mit den deutschen Koksofenbaufirmen durchgeführt wurden. Daneben beschäftigte er sich mit den Bauausführungen der Koksöfen der deutschen Kokereibaufirmen sowie deren Vorzügen und Nachteilen und mit dem Precarbon-Verfahren zur Kohlevorerhitzung. Bis zum Jahre 1976 war wer dann im Kokereitechnischen Dienst des Steinkohlenbergbauvereins unter der Leitung der Herren Professor Dr. Beck und Dr. Eisenhut tätig.

 

 

Im Jahre 1976 folgte dann der entscheidende Schritt für den beruflichen Werdegang von Dr. Stalherm: Er trat in die Dienste der Firma Carl Still GmbH & Co KG, Recklinghausen, ein. Seine Förderer in dieser Firma waren die Herren Dr. Knappstein und Dr. Thiersch. Er war zunächst Leiter der Verfahrenstechnik und verantwortlich für die F&E-Vorhaben im Bereich der Koksofenanlagen. Im Jahre 1977 erhielt er bereits Handlungsvollmacht. Er übernahm zusätzliche die Konstruktion und die Abwicklung von Vorhaben im Bereich der Koksofenanlagen. Im Jahre 1979 wurde ihm Prokura erteilt. Nach der Übernahme der Technik „Koksofenanlagen“ und „Kohlenwertstoffanlagen“ war er Leiter der gesamten Technik. Im Jahre 1986 wurde er Abteilungsdirektor.

 

Die Jahre 1987 bis 1998 waren im deutschen Kokereianlagenbau geprägt von der Fusion aller deutschen Kokereibaufirmen zu einer Firma.

 

Im Jahre 1987 erfolgte zunächst die Übernahme der Firma Dr. C. Otto durch die Firma Still und damit die Gründung der Firma Still Otto GmbH. Herr Dr. Stalherm wurde dort Technischer Direktor.

 

Nach der Mehrheitsbeteiligung durch die Firma Thyssen Engineering GmbH, Essen, wurde die Firma Thyssen Still Otto Anlagentechnik GmbH, gegründet mit dem Firmensitz in Bochum. Herr Dr. Stalherm wurde im Bereich Technik Geschäftsführer. Gleichzeitig war er Geschäftsführer der Still Otto Montage GmbH und Direktor bei Tochtergesellschaften. In diese Zeit fiel auch die Übernahme des kokerei-technischen Bereichs der Firma Didier Engineering GmbH.

 

In die letzte Zeit seiner Tätigkeit fiel die Vorbereitung der Fusion mit der Firma Krupp Koppers GmbH und die Zusammenführung der Kokereibaufirmen in die Firma ThyssenKrupp EnCoke als Vorstufe der Überführung der Aktivitäten aller deutschen Kokereibaufirmen in die Uhde GmbH, Dortmund.

 

Nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen im Jahre 1998 übernahm Herr Dr. Stalherm beratende Funktionen. Im Jahre 2000 trat er dann in den Vorruhestand.


Welche besonderen Verdienste haben der Vorstand des VKDF und die Jury bei der Verleihung der Koker-Medaille 2007 an Herrn Dr. Stalherm zu würdigen?

 

 

Eine große Anzahl von Patenten, Vorträgen und Veröffentlichungen geben ein beredtes Zeugnis seiner Tätigkeiten zur Weiterentwicklung der Kokereitechnik ab. Zunächst zu nennen sind die Arbeiten im Rahmen der Kokereitechnischen Arbeitsgemeinschaft, in der alle deutschen Kokereibaufirmen und der Steinkohlenbergbauverein gemeinsam Kokereiforschung betrieben haben.

 

Die Vorhaben hatten vor allem das Ziel einer Leistungssteigerung von Koksofenanlagen hier vor allem durch die Anwendung eines Hochleistungsregenerators, durch die Nutzung einer Programmierten Beheizung und durch den Einsatz von Magnesit und von hochverdichtetem Silika als Koksofenbaustein.

 

Ein weiteres Ziel war die Leistungssteigerung und die Erweiterung der Einsatzkohlenbasis durch die Nutzung des Precarbon-Verfahrens zur Kohlevorerhitzung und zum Füllen von Koksöfen mit vorerhitzter Kohle über Redler

 

Eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes war durch die Vergrößerung des Ofenvolumens beim Vorhaben „Breite Koksofenkammer“ zu erwarten. Dies führte letztlich auch zum Vorhaben Grossaumverkokungsreaktor.

 

Herr Dr. Stalherm hat viele Projekte initiiert und begleitet und sich stets kritisch mit den Ergebnissen auseinandergesetzt. Dabei hat er sich auch nicht davor gescheut, einzelne Projekte nicht weiter zu verfolgen.


Von den Neu- und Weiterentwicklungen in eigener Verantwortung sind besonders zu nennen:

 

Stufenbeheizter Zwillingszugofen,

 

Vierzugofen,

 

einstufige Kohlevorerhitzung mit Füllwagen,

 

eigene Entwicklungen der Non- oder Heat-Recovery-Technologie,

 

das Anheizen einer Batterie mit steuerbaren Brennern und

 

die Weiterentwicklung der Einzelkammerdruckregelung, die vom Kokereitechnischen Dienst eingeführt und erforscht worden ist.

 

 

Einen besonderen Stellenwert bei den Tätigkeiten von Herrn Dr. Stalherm haben die Akquisition und die Abwicklung von Kokereiprojekten, wobei Vorhaben in Deutschland und in vielen Ländern der Welt zu nennen sind, wie in Indien, Italien, Japan, Korea, Mexiko, Taiwan, Spanien und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika.

 

Die Krise der Kokereiwirtschaft hat in Deutschland zur Fusion aller deutschen Kokereibaufirmen geführt. Es ist ein besonderes Verdienst von Herrn Dr. Stalherm, dass die Firmen Didier, Heinrich Koppers, Dr. C. Otto und Carl Still – ohne Nennung aller gelegentlich geltenden Firmennamen – trotz der sehr unterschiedlichen Unternehmensstrukturen und Eigenarten der führenden Persönlichkeiten nun in einer Firma weiterleben und die Tradition deutscher Kokereitechnik weiterführen. Dabei war es nicht einfach, die Stammbelegschaft aller vier Firmen von rd. 2.200 Mitarbeitern über rd. 150 Mitarbeiter bei einer Firma auf nunmehr rd. 80 Mitarbeiter einer Hauptabteilung zu vermindern. Diese einschneidenden Maßnahmen sind nicht ohne Härte zu verwirklichen gewesen, und manche der Wunden ist auch heute noch nicht verheilt.

Mit der Verleihung der Koker-Medaille an Herrn Dr. Stalherm ehrt der Verein Deutscher Kokereifachleute einen hervorragenden Kokereifachmann, der sich durch seine Bereitschaft, neue Techniken zu fordern, zu entwickeln und einzuführen und durch seinen aufrichtigen Umgang mit seinen ihm anvertrauten Mitarbeiter um die Kokereiwirtschaft verdient gemacht hat.